Vogelbeobachtunstour ab Madrid
Im Juni 2026 verbrachten wir fast zwei Wochen in Spanien und konnten in dieser Zeit wieder sehr viele hübsche Federtiere vor die Kamera bekommen. Es lagen mittlerweile 12 Tage Rundreise mit 8 langen Ansitztagen hinter uns und es wurde Zeit für etwas Abwechslung. Für die letzten Tage vor unserer Abreise hatte ich ein Appartment in der Nähe des Flughafens Madrid gebucht und nun stand eine Vogelbeobachtungstour mit José María de la Peña Rubio von Bluenature Tours auf dem Plan. Ich wurde vor der Tour ausführlich befragt, welche Vogelarten für uns besonders interessant wären und wie viel Zeit wir für die Tour einplanen möchten. Unser Guide Jose war sehr flexibel in der Planung, immer gut zu erreichen, für alle Fragen offen und super freundlich. Ich habe im laufe der Zeit auch schon anderes erlebt, also: klare Empfehlung schonmal hierfür!
(Halsbandsittich - mehr Info)
Auf meiner Wunschliste standen einige sehr spezielle Vogelarten wie der Häherkuckuck, der Pirol, die Blauracke, das Purpurhuhn und der Eleonorenfalke. Natürlich gibt es bei einer Vogelbeobachtungstour nie eine Garantie dafür, die Zielarten auch wirklich zu sehen, aber ich wollte mein Glück gerne versuchen. Wir wurden also früh morgens um 07:00 bei schönstem Sonnenschein und schon fast 30 Grad an unserer Ferienunterkunft eingesammelt und starteten mit einem Besuch im nahe gelegenen Stadtpark "Parque Madrid Río". Wir spazierten durch das Eingangstor und schon fing es überall um uns herum an zu zwitschern, zu quäken und zu flattern. Hier waren wir also schonmal richtig! Ich konnte zuerst nicht zuordnen, zu welchen Vögeln die Geräusche gehörten, aber ich wurde schon nach kurzer Zeit darüber aufgeklärt, daß in diesem Park neben den üblichen Singvögeln auch zwei exotische Papageienarten zu Hause sind. Die ersten Halsbandsittiche erschienen auch promt auf der Bildfläche.
Wir waren keine zehn Minuten unterwegs und schon hatte ich mit den grünen Papageien mein erstes Highlight des Tages. Sie standen nicht auf meiner Wunschliste, aber nur deswegen, weil ich keine Ahnung von ihrerer Existenz im Madrider Stadpark hatte. Unser Guide war sichtlich darüber amüsiert, daß ich mit den "alltäglichen" Sittichen soviel Spaß hatte. Ich musste mich dann aber irgendwann von ihnen trennen, denn eigentlich wollten wir hier im Stadtpark auf die Suche nach einem ganz anderen Vogel gehen, der wohl schwerer zu finden sein würde. Das Tierchen unserer Begierde war an dieser Stelle der Pirol, der üblicherweise zwar lautstark zu hören ist, den man aber meistens nur zwischen allerhand Blättern und Ästen irgendwo hoch oben in einem Baum findet, wenn überhaupt. Wir spazierten also weiter und José fing irgendwann an, einen singenden Pirol zu miemen. Zuerst dachte ich, der Vogel würde tatsächlich direkt neben mir singen, aber es war nur unser Guide, der versuchte den Vogel zu rufen. Und es dauerte auch keine fünf Minuten, als der erste Pirol lauthals antwortete. So konnten wir ihn orten und fanden ihn unweit auf einem Ast sitzen und etwas irritiert dreingucken.
José flötete weiter auf pirolisch und unser gelber Freund unterhielt sich angeregt mit ihm. Außerdem flatterte er auf der Suche nach dem vermeintlichen "Eindringling" in der Gegend herum, so daß wir ihn hervorragend beobachten konnten. Wir konnten am Ende sogar durchs Fernglas das Weibchen und das Nest des Pärchens sehr weit oben in einem Baum ausfindig machen. Natürlich wollten wir die Vögel nicht zu lange mit unserem Besuch belästigen und so machten wir uns wieder auf den Weg um weitere Federtiere zu suchen.
In annähernd jedem Baum konnten wir unterschiedliche Vogelarten finden. Ganz besonders schön war die Sichtung einer Grünspecht-Familie, die sich problemlos ablichten ließ. Der Jungvogel saß keine zehn Meter entfernt an einem Stamm und die Eltern kamen zur Fütterung vorbei. Noch dazu handelte es sich um Iberische Grünspechte, die man natürlich nicht alle Tage zu Gesicht bekommt!
(Junger Iberischer Grünspecht - mehr Info)
Kurz vor dem Verlassen des Parks konnten wir noch die zweite Sittichart, die in Spanien vorkommt, auf einer Wiese entdecken. Eine ganze Gruppe Möchssittiche tummelte sich hier und als ich mich ihnen langsam näherte um ein paar Bilder zu machen, zeigten sie keine Scheu. Menschen gehören hier für sie natürlich zum Alltag, was in diesem Fall sehr praktisch war.
(Mönchssittich)
Nun ging es raus aus dem Park und rein ins Auto. Wir fuhren bis in die Region um Toledo, um nach dem Häherkuckuck, der Blauracke und dem Purpurhuhn zu suchen. Nach einer längeren Autobahnstrecke ging es nun offroad über staubige Schotterpisten. José sagte mir, er würde jetzt das "Häherkuckuckradar" einschalten, womit er wahrscheinlich meinte, er würde ab jetzt nach besagtem Vogel Ausschau halten. Als wir an einer alten Scheune vorbeikamen, legten wir eine ordentliche Bremsung ein, denn das "Häherkuckuckradar" hatte plötzlich ausgeschlagen.
In einem Baum vor der Scheune bewegte sich etwas und wir beschlossen, uns die Situation genauer anzusehen. Wir überquerten ein Feld, um uns der Szenerie zu nähern und hofften inständig, die Vögel nicht durch unsere Bewegung zu erschrecken. Aber sie ignorierten uns erstaunlicherweise und blieben wo sie waren. Bedauerlicherweise wuselten sie im dunklen Geäst herum, so daß ich sie zunächst nur als dunkle Schatten erkennen konnte. José versicherte mir aber, es würde sich tatsächlich um Häherkuckuck-Jungvögel handeln, was ich unglaublich fand. Wie konnte er sie aus dem Auto erkennen, das ca. 50 Meter entfernt parkte? Naja, das Radar funktioniert gut würde ich sagen....
(junger Häherkuckuck)
Es half alles nichts, wir mussten einfach noch näher an den Baum heran, um einen guten Blick auf die vermeintlichen Häherkuckucke zu werfen. Wir schlichen also so langsam wie möglich immer näher, bis wir direkt vor dem Baum standen. Und endlich konnten wir einen der Vögel auf einem Ast frei sitzen sehen! Wahnsinn!
Wir verbrachten etwa eine dreiviertel Stunde bei der Scheune, aber irgendwann war es auf dem Feld nur noch schwer auszuhalten. Die Sonne brannte bei etwa 35 Grad vom Himmel und es gab weit und breit keinen Schattenplatz. Also beschlossen wir, die Tour im klimatisierten Auto fortzusetzen, bis wir unsere Körpertemeratur wieder im Griff hatten.
Der Weg führte uns weiter über Schotterpisten, vorbei an verlassenen Häusern und Höfen. Als Nächstes wurde uns ein Gebiet angekündigt, in dem wir gute Chancen auf die Sichtung von Blauracken haben würden.
Und tatsächlich konnten wir schon bald die ersten Exemplare sichten. Einige von ihnen waren nur mit dem Fernglas zu erkennen, andere zeigten sich wenig scheu und ließen sich von unserem Besuch nicht stören. Wir konnten uns mit dem Auto problemlos nähern und so freuten wir uns sehr über die farbenfrohen Federtiere.
Danach ging es zurück in Richtung Autobahn. Unterwegs fuhren wir an einem Fluß entlang, über dem ein Geschwader dunkler Vögel im Anflug war. Natürlich war mein Interesse sofort geweckt, denn ich erkannte sie sofort. Es handelte sich um Braune Sichler! Ich habe vorher noch nie Braune Sichler in der freien Natur gesehen. Dementsprechend begeistert war ich natürlich von der Begegnung und wir legten nochmal einen kleinen Stop ein, um die Sichler genauer in Augenschein nehmen zu können.
(Brauner Sichler - mehr Info)
Direkt gegenüber in einem Baum wartete auch gleich der nächste interessante Kandidat, den ich allerdings nicht problemlos bestimmen konnte. Zum Glück hatten wir unseren Vogelbeobachtungsguide dabei, der mir natürlich sofort sagen konnte, um welchen Vogel es sich handelt. Es war ein junger Rotkopfwürger, der noch das für junge Würger typische
bräunlichgraue gewellte und geflockte Gefieder hatte.
(Junger Rotkopfwürger - mehr Info)
Pünktlich zur Mittagszeit meldeten sich dann aber bald unsere Mägen, um etwas zu Essen einzufordern. José hatte uns schon im Vorfeld einige Einkehrmöglichkeiten zur Wahl gestellt und so kutschierten wir wie geplant zu einem großen Supermarkt mit einer Art Kantine. Der Stop wurde kurz und bündig gehalten, um keine Zeit zu verlieren. Es lag noch der ganze Nachmittag vor uns und ich war natürlich schon sehr gespannt, was uns als nächstes vor die Linse flattern würde. Angekündigt war nun ein Feuchtgebiet, in dem eventuell das Purpurhuhn auftauchen könnte. Sehr zu unserem Leidwesen mussten wir für dieses Vorhaben wieder aus dem Auto aussteigen und uns der brütenden Hitze aussetzen.
(Rosa Flamingo)
Wir schwitzten also nicht schlecht und ich hatte einen Anflug von Unwohlsein, aber dieser Zustand verflüchtigte sich sofort, als wir uns nach einem kurzen Marsch einem See näherten, vor dem Beobachtungshütten aufgestellt waren. Vogelbeobachtungshütte = Schatten = gut bei 35 Grad! Noch besser wurde es, als wir uns im Schatten platziert hatten und ich durch eine der Luken linste. Mich hätte jetzt doch fast der Schlag getroffen, denn direkt vor uns standen etwa 35 Flamingos im Wasser herum! Flamingos!
Ich konnte mein Glück kaum fassen, was war das für eine Tour! Niemand hatte mich auf Flamingos vorbereitet und José war scheinbar sehr überrascht, daß ich wegen den rosa Vögeln derartig aus dem Häuschen war. Aber wann sieht man schon Flamingos? Für mich war es heute jedenfalls Premiere...
José hatte sein Spektiv aufgebaut und versuchte jetzt, das Purpurhuhn für uns ausfindig zu machen. Er vermutete es am gegenüberliegenden Ufer, aber auch nach längerem Suchen war es nirgendwo zu sehen. José war sehr unglücklich darüber, uns den Vogel nicht zeigen zu können. Als er mich ganz geknickt über das fehlende Tier informierte, hatte ich das Purpurhuhn längst vergessen. Die Flamingos waren 100x besser! Ich sagte ihm, er bräuchte nicht weiter nach dem Purpurhuhn zu suchen, denn wer braucht schon ein Purpurhuhn am anderen Seeufer, wenn man 35 Flamingos direkt vor der Nase hat?
Außerdem waren an diesem See noch viele andere Vögel zu sehen. z.B. waren hier Weißkopf-Ruderenten, Graureiher, Silberreiher, Weißstörche, Teichrallen, Moorenten, Haubentaucher, Schwarzhalstaucher und Blässhühner mit ihren Küken unterwegs. Dieser Ort war so genial, ich hätte auch den ganzen Nachmittag hier verbringen können.
(Blässhuhnküken - mehr Info)
Leider musste ich mich natürlich irgendwann von den Vögeln am See losreißen, damit es
planmäßig weiter in Richtung Cuenca gehen konnte, wo wir am späten Nachmittag noch die Eleonorenfalken suchen wollten. Unplanmäßig legten wir dann aber noch einen weiteren Stop ein, denn unterwegs konnte ich ein Wiesenweihen-Pärchen über einem Feld sichten. Das Männchen fand unseren Besuch weniger gut und drollte sich solange wir mit dem Auto neben dem Feld parkten.
(Wiesenweihe Männchen - mehr Info)
Das Weibchen zeigte sich dagegen völlig unbeeindruckt und schaffte fleißig Nistmaterial heran. Das Nest befand sich mitten auf dem Feld und war glücklicherweise von einem grossen Gitter geschützt. Um das Männchen nicht weiter fernzuhalten, setzten wir unsere Fahrt dann schnell wieder fort.
(Wiesenweihe Weibchen)
Inzwischen hatte das Wetter umgeschwänkt. Plötzlich war es windig, es hatte von jetzt auf gleich 10 Grad weniger und es waren bedenklich dunkle Wolken im Anmarsch. Eigentlich war das nach der Hitze des Tages ganz angenehm, aber für die Sichtung der Eleonorenfalken eher weniger hilfreich. José erzählte mir, daß die Falken normalerweise am Nachmittag in den Bäumen am Waldrand sitzen und erst gegen 18.00 mit der Futtersuche beginnen. So hätten wir gute Chancen gehabt, die Vögel relativ nah zu sehen und mit etwas Glück auch das ein oder andere Foto zu machen. Wenn es einen Wetterumschwung gibt, starten sie allerdings früher, um vor dem Regen zu jagen. Er prophezeihte uns, daß wir sie nur im Flug sehen werden. Und genau wie vorhergesagt flatterten die Falken bei unserer Ankunft schon durch die Lüfte.
(Eleonorenfalke)
Die Falken haben eine beachtliche Geschwindigkeit, was die Chancen auf ein Foto stark verschlechterte. Trotzdem musste ich versuchen, die Vögel zu verewigen. Wann sieht man schon Eleonorenfalken? Eben, eher selten bis gar nicht. Zur Artendokumentation geht das Bild in diesem Fall dann wohl durch, auch wenn es wegen dem schlechten Licht nicht besonders gut geworden ist...
Es wurde dann auch schnell immer dunkler und das aufziehende Unwetter war nicht mehr weit entfernt. Also beeilten wir uns, wieder ins Auto zu kommen. Gerade als wir eingestiegen waren, flatterte ein oranger Vogel direkt vor uns auf den Feldweg.
Was für ein netter Wiedehopf, der am Ende des Tages noch etwas Farbe in den dunklen Abend brachte :) Ein schöner Abschluß für unsere Spanienreise und der heutigen Vogelbeobachtungstour. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an José, der insgesamt 14 Stunden mit uns unterwegs war und mit uns die spanische Vogelwelt "à la carte" erkundete.
Auf dieser Vogeltour konnten wir folgende Vogelarten beobachten:
Pirol, Häherkuckuck, Blauracke, Halsbandsittich, Mönchssittich, Iberischer Grünspecht, Rotkopfwürger, Rosa Flamingo, Weißkopf-Ruderente, Schwarzmilan, Rotmilan,
Rohrweihe, Wiesenweihe,
Turmfalke, Mäusebussard, Eleonorenfalke,
Gänsegeier, Mönchsgeier,
Brauner Sichler, Schwarzhalstaucher,
Elster, Wiedehopf, Iberienraubwürger,
Graureiher, Silberreiher,
Weißstorch, Rötelschwalbe,
Bachstelze, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Mauersegler, Kleiber, Amsel,
Blaumeise, Grünfink,
Kohlmeise, Einfarbstar, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke,
Grauammer,
Stieglitz,
Buchfink, Buntspecht,
Eichelhäher,
Haussperling, Feldsperling,
Rabenkrähe,
Haubentaucher,
Teichralle mit Küken, Bläßhuhn mit Küken,
Stockente mit Küken, Schnatterente, Moorente, Ringeltaube, Straßentaube, Türkentaube